Raw-Kost Vergleich

Jeder der sich etwas intensiver mit dem Hobby Fotografie auseinander gesetzt hat, wird schon einmal von RAW-Dateien gehört haben. Und die, die damit  gearbeitet haben, werden die Reserven die RAW’s bieten nicht mehr missen wollen. Wie aber jemandem, der gerade erst anfängt sich ernsthafter mit Fotografie zu beschäftigen, erklären was RAW-Dateien sind und was das besondere daran ist?

Hierfür kann man natürlich anfangen über Farbkanäle und deren Unterschiede in der Farbtiefe bei 8, 12 oder 16 Bit pro Kanal zu schwadronieren. Aber meistens kommt auf der anderen Seite dann nur „bla bla bla….kompliziert…..bla bla bla……..zusätzliche Software…….bla bla bla…….mehr Aufwand…“ an. Die entsprechende Reaktion lautet dann auch wenig verwunderlich: „Brauch ich doch nicht, meine Kamera macht auch so gute Fotos. Und ist mir sowieso zu kompliziert.!“ Und so gänzlich falsch liegt man mit dieser Antwort ja nicht. Auch der Blick auf den Computermonitor bringt hier wenig Erhellendes, denn der stellt so ohne weiteres (wenn überhaupt) nur die in die RAW’s eingebetteten Vorschau -JPG’s an. Und die sehen nun mal nicht anders als die normalen JPG’s aus, die eine Kamera normalerweise so auswirft. Was also tun?

Und genau dafür habe ich mal versucht das Thema etwas bildhafter aufzubereiten. Im folgendem sind mehrere Vergleichsbilder dargestellt. Links das normale JPG und rechts ein weitestgehend neutral entwickeltes Bild der dazugehörigen RAW-Aufnahme. RAW’s sind nämlich (Achtung: Erklärung!) quasi das Rohbild dessen, was die Kamera sieht. Aber dieses Bild kann man so ohne weiteres nicht darstellen. Das können eigentlich nur spezielle Programme, RAW-Konverter (oder englisch Developer) genannt. Ein  RAW muss nämlich erst einmal „entwickelt“ werden. Allgemein kommt an dieser Stelle der Vergleich zum unentwickelten Film-Negativ. Im Normallfall übernimmt die Kamera die Entwicklung.  Entwickeln bedeutet dabei, daß die diversen Werte des Bildes bearbeitet werden, als da zum Beispiel wären: Kontrast, Helligkeit, Farbtemperatur und so weiter. Vergleichbar mit einem Bild, das mit Instagram bearbeitet wird, nur nicht so extrem. Und am Ende kommt dann ein Foto heraus das im Allgemeinen schon sehr ansprechend aussieht. Bei RAW-Dateien fällt dieser Schritt weg und man muss das dann quasi per Hand nachholen. Aber was kann man nun mit der RAW-Datei anfangen? Der zusätzliche Aufwand durch manuelle Entwicklung ist ja nicht wirklich ein Vorteil? Doch, denn man hat hier völlige Freiheit und ist nicht mehr an die Vorgaben der Kamera-Ingenieure gebunden. Ausserdem kommt es durchaus nicht selten vor, dass die Aufnahmebedingungen, sagen wir mal, suboptimal sind. So wie bei der nachfolgenden Aufnahme. Hoffnungslos überbelichtet. Eigentlich alles weiß mit ein wenig Wellenbrecher. Eigentlich für die Tonne. Und  an der Stelle greifen wir händisch ein:

Man nehme nun den RAW-Konverter seiner Wahl (als erstes kann man sich ja mit diesem oder diesem hier behelfen) und lade die JPG- sowie die RAW-Datei. Anschließend ziehe man nun den Regler für die Belichtungskorrektur etwas in den negativen Bereich. Und voilà…..

Das JPG (links) wird…..einfach nur grau. Die RAW-Datei hingegen zeigt hingegen nun ungeahnte Details. Einfach erklärt liegt das daran, dass eine RAW-Datei wesentlich mehr Farbabstufungen enthält als ein Monitor darstellen und das Menschliche wahrnehmen kann. Soll heißen, dass das Weiß nicht, so wie im JPG, einfach nur weiß ist sondern viele unterschiedliche Abstufungen von Weiß. Und diese Unterschiede werden durch das verändern der Belichtungskorrektur sichtbar. Ok, aus der Aufnahme kann man auch durch die Bearbeitung der RAW-Datei kein Meisterwerk mehr zaubern, aber es verdeutlicht doch recht anschaulich wo die Reserven gegenüber der fertigen JPG-Aufnahme schlummern.

Ein anderes recht anschauliches Szenario bietet der Weißabgleich. Darunter versteht man die Funktion, der Kamera „beizubringen“ wie die Farben richtig dargestellt werden sollen. Unter normalen Bedingungen arbeiten moderne Geräte ziemlich zielsicher, aber Neon- oder Blitzlicht erfordern schon einen manuellen Weißabgleich.  Der erfolgt im allgemeinen dadurch, dass man eine Fläche fotografiert die Weiß oder Neutral-Grau ist. Idealerweise benutzt man dafür eine Graukarte.   Daran orientiert sich dann die Kamera und berechnet alle anderen Farben, so dass hinterher ein natürliches Bild entsteht. Nun passiert es allerdings oft genug, dass man den Weißabgleich vergisst oder einfach keine Zeit und Möglichkeit hat selbigen durchzuführen. Und dann kommt am Ende so etwas dabei heraus.

Und auch hier wieder links das JPG und rechts die entsprechende RAW-Datei. Eine Studie in Blau. Nun kann man das natürlich so lassen und zu Kunst erklären. Aber um ehrlich zu sein: schön geht anders. Zum Glück bietet unser RAW-Konverter aber die Möglichkeit eines nachträglichen Weißabgleiches. Dazu zeigt man dem Programm mit Hilfe einer Pipette einen farbneutralen Bereich im Foto (hier der gräuliche Bereich unter er gelben Paprika) und  die Software „verschiebt“ die Farben entsprechend. Da ganze sieht dann hinterher so aus:

Und auch hier kommt der größere Farbumfang des RAW-Bildes zum tragen. Denn da wo das JPG immer noch einen ziemlich unangenehmen Farbstich hat, zeigt das Bild, dass wir aus der RAW-Datei erhalten, vollkommen natürliche Farben.

Ok, ich gebe zu, die Beispiele sind etwas extrem gewählt, aber zeigen auch deutlich auf, welchen Vorteil RAW’s bieten. Nun muss man sich aber nicht immer die Mühe machen und in RAW fotografieren, denn ordentlich gemachte JPG-Fotos sind heutzutage schon verdammt gut. Aber sollte man doch einmal unter ungünstigen Bedingungen fotografieren müssen, dann bieten RAW’s eventuell doch das letzte bisschen „Luft“ nach oben, um  Bilder zu erhalten, die anders einfach nicht möglich wären.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.